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"The Shortest History of Germany" - SEHR interessante Außenperspektive

southflorida

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Was hat Iulius Caesar mit der AfD zu tun? Warum ist Preußen slawisch? War die (westdeutsche) Bundesrepublik 1949-1990 eigentlich der "Idealzustand" eines prosperierenden Deutschlands?

Autor James Hawes fängt tatsächlich mit Caesar an, der "die Germanen" um 50 v. Chr. erstmals etwas ausführlicher beschrieb, bzw. ihnen den Namen gab. Waren es Barbaren? So wie es in Lehrbüchern steht? Oder waren die Germanen nicht schon in den ersten Jahrhunderten nach Christus, lange vor dem Ende Westroms, längst romanisiert, Handelspartner, römische Sölder, ja römische Staatsbedienstete? Zumindest bis in die Gegenden der Elbe. Die Völker dahinter waren u.a. Slawen und hier traf das Römische Reich auf "Wildnis", auf "Barbaren". Die Elbe sollte noch eine große Rolle spielen.

Das Frankenreich erstreckte sich ebenfalls bis an die Elbe, und der ostfränkische Teil (eben westlich der Elbe) entwickelte sich zu jenem Gebilde, das später unter verschiedenen Namen, vereinfacht als "Deutschland" firmierte.
Zwischendrin stand ab Beginn der Neuzeit der Aufstieg von Preußen, das jedoch überhaupt nicht "deckungsgleich" mit Deutschland, teils gar zeitweise unter der polnischen Krone stand.
Mit dem Aufstieg zum Königreich unter den Hohenzollern wurde Preußen Großmacht, und der Gegensatz zu den anderen Deutschen Staaten blieb. Welche Mühen erforderte die Einigung Deutschlands 1870, danach blieb der prosperierende Westen und der arme, militaristische Osten, der unter (nunmehr gesamtdeutscher) Führung Bismacks sich auf Gedeih und Verderb an Österreich band (um jenes andererseits aus dem "preußisch geführtem" Reich herauszuhalten) mit allen Konflikten über Ersten Weltkrieg, Naziherrschaft (die Nazis waren es, die wiederum vor allem in den östlichen Reichsteilen starke Unterstützung fanden, auf einem Gebiet allein "westlich der Elbe" hätte Hitler nie annähernd eine Mehrheit erreicht).

Der Zweite Weltkrieg brachte einen "Hardcut". Große Teile des Ostens fielen an Polen und Sowjetunion, bzw. wurden Vasallenstaat der Letzteren. Übrig blieb ein an den Westen orientiertes Staatsgebilde westlich der Elbe, das erstaunlich den Grenzen der einst von Römern erreichten Hemisphäre und auch der des Ostteil des Frankenreich entsprach... und bald zu den führenden Ländern der europäischen Idee wurde.

Nach der Wiedervereinigung 1990 solche deutsch-deutsche Gegensätze, viel, was zusammengehört, will nicht so recht zusammenwachsen, die Mentalitäten bleiben verschieden, und nimmt man Gebiete mit über 20% Linke und über 3% NPD in Deutschland, erkennt man sofort wieder die Silhouette der deutsch-deutschen Grenze...

Das Buch hochinteressant, vor allem aus dem Aspekt eines Nichtdeutschen, allerdings zieht der Autor aus meiner Sicht dann doch m.E. zu starke, harte Schlüsse in der Richtung, dass Ostdeutsche "russifiziert" und Westdeutsche "westeuropäisch" sind. Was er außer acht lässt, dass es innerhalb Deutschlands viel Bewegung gab: nur jeder vierte heutige Berliner ist in Berlin geboren, und etliche Millionen heute "Westdeutsche" stammen letztendlich aus den "Deutschen Ostgebieten" bzw. sind deren Nachfahren.

Dennoch, SEHR interessantes Buch!


docower

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Sowas finde ich auch interessant. Auch immer wieder interessant wie Westdeutschland (wie du schon sagst) ziemlich den Grenzen des Ostfränkischen Reichs entspricht, bevor der deutsche Orden weit im Osten Preußen begründet hat.

Früher war es gut. Heute ist es besser. Ach wäre doch nur alles wieder gut!