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Mortal Shell - extended Edition

der spirit

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Das Genre des “Soulslike” war seinerzeit die Rettung der Videospiele wenn man ganz extreme Gameransichten zitieren möchte.
Bis 2009/2011 war unser Hobby geprägt von seichten Vertretern welche sich ellenlange Tutorials, einen machbaren Schwierigkeitsgrad und sehr faire Checkpoints auf die Fahne geschrieben haben.
Bloß nicht den Spieler wie Anfang der 90iger verunsichern und demotivieren! Das hat Auswirkungen auf Verkaufszahlen und der Reputation ganzer Spieleserien.
Dann kam From Software und der Rest ist Geschichte.
Fordernde Spiele, welche den Schwierigkeitsgrad nicht durch Hitpoints oder Zeitdruck bestimmten, sind nun “IN”.
Ein Spiel ohne die Möglichkeit meine Erfahrungspunkte zurückzuholen, wird von den beinharten Souls-Verfechtern nicht gespielt.
Es erscheinen zig andere Spiele aber ich bin noch mittendrin in meinem SL1 Run und möchte danach einen Claymore LV1 Run versuchen!

Mit Mortal Shell bewirbt sich ein neuer Vertreter das Genre etwas auszuweiten und bringt die ein oder andere nette Idee mit sich.

Mortal Shell beginnt mit einem Tutorial.
Nein, nicht einem Tutorial wie wir es von den anderen Genre Vertretern kennen sondern stinknormal mit kämpfen und dem Einblenden von Hinweisen und Kampftaktiken die essentiell zum Spielen sind.
Das wirft einem aus dem zugegebenermaßen schönen und mysteriösen Ambiente raus. Nach gut 5 Minuten kennt man quasi alle wichtigen Attacken, Angriffe und das Verhörten, zu dem wir später kommen.
Nach dem Tutorial geht es schnurstracks nach Fallgrimm, dem Ort an dem unsere Geschichte beginnt, erzählt wird und auch endet. Die Geschichte? Diese wird ähnlich “herausfordernd” und kryptisch erzählt wie es im Genre üblich ist.
Itembeschreibungen müssen gelesen werden, die Gespräche mit NPCs verraten alles und nichts und einen Teil der Geschichte spinnt man sich alleine im Kopf zusammen.
Was auch zur Geschichte gehört sind die Hüllen, die in der Spielwelt gefunden und genutzt werden müssen. Diese stellen gefallene Krieger da die jeweils Ihre eigene Geschichte erzählen und durch Fortschritt immer mehr Lore preisgeben.
Relativ früh im Spiel findet Ihr die erste Hülle die auf den Namen Harros hört.
Die Hüllen dienen in erster Linie als “Panzer” eurer sonst dürren und schwachen Spielfigur. Weiterhin besteht die Möglichkeit diverse Abilities mittels (Ihr ahnt es schon) “Seelen” freizuschalten. So kann ein mächtiger Tritt erkauft werden oder aber die HP oder der Angriff werden gesteigert.
Insgesamt vier sog. Shells lassen sich in Fallgrimm finden, jede mit Ihren eigenen Eigenschaften, Aussehen und Fertigkeiten.
Was das Ziel im Spiel ist wird in der ersten Spielstunde deutlich; es müssen drei Schlüsselitems zu einem mysteriösen “Gefangenen” gebracht werden welche sich in drei Tempeln befinden. Na dann mal los!



Das Kämpfen in Mortal Shell funktioniert wie eh und je.
Es gibt eine normale Angriffstaste, einen starken Angriff und die Möglichkeit auszuweichen oder zu rollen.
Die 4 Waffen im Spiel sind jeweils der mystischen und brutalen Fantasywelt entsprungen. Neben dem bodenständigen Kolben und Schwert gibt es noch ein überaus langes, schweres Schwert und einen Stab, dessen Kopf bei richtiger Benutzung Gegner verbrennen kann. Spielerisch unterscheiden sich die Waffen deutlich voneinander und jeder Spieler wird seinen eigenen Liebling finden.
Mortal Shell hat zwei Besonderheiten im Kampfsystem die dem Spiel genügend Abgrenzung zu seinen Genrekollegen beschert.
Zum einen wird unserer Charakter bei zu viel erlittenen Schaden aus seiner Hülle geworfen. Dadurch ist man dem Tod sehr nah da hier die HP auf ein Minimum begrenzt sind. Erreicht man die Hülle bevor man stirbt, füllen sich alle HP auf und man generiert sozusagen das Extraleben.
Ein zweites Mal gibt es jedoch nicht, dann sehen wir den Game Over Bildschirm.
Zugegeben, Sekiro lehrte uns, dass der Tod nicht immer den Spieltod mit sich zog und im Grunde genommen ist das Prinzip ähnlich.
Mortal Shell schafft es aber diese Formel zu verfeinert und gibt dem Ganzen eine andere, frische Note.
Das Versteinern jedoch ist ein Feature was es so in der Form noch nie gegeben hat.
Mittels Tastendruck versteinert Ihr den Körper der Spielfigur, was es gegnerischen Attacken unmöglich macht zu euch vorzudringen. In dieser Form prallen alle Angriffe ab was besonders bei den nicht-konterbaren Moves überlebenswichtig ist.
Mortal Shell geht noch weiter.
Die Versteinerung kann immer durchgeführt werden.
Wirklich immer.
So sind Angriffsfolgen welche grazil durch Hechtrolle und/oder Versteinerung im Angriff unterbrochen werden möglich was nicht nur taktisch daherkommt sondern auch einer Kunstform daherkommt.
Ja, das Versteinern ist Mortal Shells “Killerfeature”. Mit diesem ist in ausweglosen Situationen die Flucht möglich oder aber ein Gamechanger im Angriff.
Zusätzlich kommt die Möglichkeit des konterns hinzu was drei verschiedene Belohnungen für euch bereithält.



Bei der Itemnutzung geht das Spiel von Cold Symmetry seinen eigenen Weg.
Die Items kennen wir schon, hier werden mal HP aufgefüllt, bei anderen wird die Ausdauer besonders schnell regeneriert und wiederum andere steigern den nächsten Angriff.
Das Besondere: Bei keinem der Items habt Ihr zu Beginn auch nur die leiseste Ahnung was genau es macht. probieren geht über studieren lautet die Devise. Und nach mehrmaliger Nutzung steiert Ihr die Vertrautheit womit ein größerer/besserer/längerer Effekt möglich ist. Schön gemacht.

Grafisch läuft Mortal Shell mit annähernd 60FPS auf der PS5. Hier und da trüben einige langweilige Texturen das Bild, die Atmosphäre welche hier aufgebaut wird tut dies aber keinen Abbruch. Im Gegenteil.
Die drei Tempel sind schön anzusehen, ein Gefängnis in einer dunklen Fantasywelt stelle ich mir genauso bedrückend vor wie hier. Der Sitz der Unendlichkeit besticht durch seine umwerfende Architektur bei welcher man sich das ein oder andere Mal verläuft.
Die Gegner sind jeweils location spezifisch so bleibt die Abwechslung im Design noch relativ hoch.

Das alles hört sich nach einem ganz großartigen Vertreter des Genres an und ja, wenn man die Kritikpunkte außer Acht lässt besticht das Spiel durch eine straffe Spielzeit und toller Atmosphäre mit schönen Gameplayideen.
Wieso Mortal Shell jedoch in keinster Weise mit seinen Vorbildern mithalten kann liegt am Spieldesign.
Was nützen mir die toll aussehenden Level wenn diese zu einfach gebaut sind und kaum Raum für Überraschungen oder Kniffe aufweisen.
Die Linearität ist die eine Sache aber mich als Spieler komplett unterfordern und gar keine Überraschungen einzubauen ist schade. Bei den Gegnerplatzierungen genau das selbe.
Es ist schon wahr, dass ich nach unzähligen Stunden Soulsborne schon “in Etwa” weiß was mich hinter der nächsten Ecke erwartet aber etwas mehr Varianz reinzubringen wäre wünschenswert gewesen. Vor allem gegen Ende des Spiels im schon erwähnten  Sitz der Unendlichkeit sieht man die Gegnerhorden schon von weitem.
Das Kämpfen wird irgendwann auch nur zur Schau. Wenn man ganz faul ist, greift man an, versteinert sich oder rollt zurück und wiederholt das Prozedere.
Es gibt einige Gegner welche noch die ein oder andere (giftige) Überraschung drauf haben aber ab einigen Stunden Spielzeit kann diese auch niemanden mehr vorm Ofen hervorlocken.



Ich will Mortal Shell mögen was jedoch nur teilweise gelingt. Es ist ein Indie-Souls, darüber muss man sich im Klaren sein. Was das recht kleine Team geschafft und erschaffen hat ist stellenweise großartig und beeindruckend.
Für mich ist dies aber zu wenig um nochmal ein NG++ anzufangen. Dafür stören mich die Sachen im Gameplay zu sehr und da spiele ich lieber das x-te mal ein Bloodborn oder Dark Souls 1 wo es für mich immer noch genug zum Entdecken und vor allem auszuprobieren gibt. Und das Fehlen des Entdeckerdrangs und fehlender Wahlmöglichkeiten ist die große Schwäche von Mortal Shell.

6  von 10


docower

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Ich hab das Review hier total übersehen!! Gabs nicht einige Mortal Shell Fans hier im Forum?
Früher war es gut. Heute ist es besser. Ach wäre doch nur alles wieder gut!


Arena

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Ich hab das Review hier total übersehen!! Gabs nicht einige Mortal Shell Fans hier im Forum?

HIER !!! Riesenfan sogar.

Hatte das (tolle) Review schon gesehen ... nur, naja - 6 von 10 find ich schon ein bissi ... arg wenig.

 :)


Faust

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Ich hab das Review hier total übersehen!! Gabs nicht einige Mortal Shell Fans hier im Forum?

HIER !!! Riesenfan sogar.

Hatte das (tolle) Review schon gesehen ... nur, naja - 6 von 10 find ich schon ein bissi ... arg wenig.

 :)


Ich finde es auch fantastisch und würde locker eine 8 von 10 vergeben. Wäre der Umfang von dem Spiel größer locker eine 9 von 10  8)

昼のセント酒 - [US-Patent 6506148]


Arena

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JA! 9 von 10 wäre auch meine Bewertung gewesen. Und gerade die Länge fand ich gut!

Wobei man ja doch auch hier bei diesem Soulslike ein NG+ durchaus mit einrechnen kann - und sollte.

Ich hab ja damals das NG+ nur nicht gestartet, weil mir schon klar war, dasses davon nochmal eine aufgedonnerte (PS5)Version geben wird.

DANN wird nochmal komplett von Vorne begonnen. Aber sowas von.

 :-X