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Nier Replicant ver.1.22474487139

der spirit

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Im Jahr 2010 erblickte ein damals noch unbekanntes RPG das Licht der Welt.
Die Rede ist von Nier (Gestalt) welches sich innerhalb kürzester Zeit zum Geheimtipp und für einige Gamer zum absoluten Lieblingsspiel mauserte.
Mich haben seinerzeit ehrlicherweise die schwachen Bewertungen und die Farbgebung abgeschreckt. Zusätzlich gab es, wie so oft, andere Spiele die meine Aufmerksamkeit auf sich zogen.
Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis der Nachfolger, Nier Automata angekündigt und released wurde.
Hier lag die Sache für mich etwas anders. Angetrieben durch die sehr sehr positiven Berichte und Fangesänge musste ich mir das Spiel zu Gemüte führen und wurde durch so ziemlich jedes Element des Spiels beeindruckt.
Nach dem großen Nier Automata Erfolg musste man kein Wahrsager sein, dass das Erstlingswerk nochmal neu aufgelegt werden würde, mit aktueller Technik und weiteren Quality of Life Verbesserungen.
Nun stehe ich am Ende von Nier Replicant und kann tatsächlich etwas zum “Geheimtipp” sagen und wieso es nun auch eines meiner Spiele ist, die ich direkt ins Herz geschlossen habe.



Yonah, die Schwester unseres Helden Nier, ist an einer auf den ersten Blick tödlichen Krankheit erkrankt, der Runenpest. Um Sie zu retten machen wir uns auf die Suche nach Hinweisen, Lösungen und durchstreifen die ganze Welt die sich vor unseren Augen Schritt für Schritt öffnet.
Die Welt erinnert sehr stark an unsere eigene Welt, mit dem Unterschied, dass vieles auf einen baldigen Verfall hindeutet.
So wird die Welt durch sog. Schatten bedroht welche die Hauptgegner darstellen, Personen haben zum Teil den Lebenswillen aufgegeben, Schrotthaufen ragen empor und sogar unser Heimatdorf muss zwingend durch große Türen verschlossen bleiben. Die Prä Apokalypse wird mit vielen Faktoren näher gebracht was dem Spiel eine gewisse Melancholie und Hilflosigkeit verleiht.
Die Rettung Yonah`s ist die große Rahmenhandlung und immer präsent aber die Schicksale anderer NPCs sind nicht minder unwichtig und laden zum Erkunden und Verfolgen ein.
Deutlich arbeitsintensiver ist das Erreichen des “wahren Endes” von Nier Replicant.
Hierfür muss das Spiel mehrere Male durchgespielt werden.
Wo der erste Run noch die Geschichte im Großen und Ganzen abschließt, sind die nächsten Enden essentiell wichtig um vor allem die Charaktere zu beleuchten.
Aber vor allem erweiterten die zusätzlichen Enden die Hauptgeschichte um wichtige Szenen die das Vorausgespielte in einem komplett anderen Licht erscheinen lassen.
Hier noch weiter darauf einzugehen würde nicht nur den Rahmen sprengen sondern auch viele Aha- und Augenöffnende Momente verderben.
Im Verlauf der Geschichte kommt eine Party zusammen mit denen interagiert, gekämpft und vor allem gelitten wird. So stehen euch neben der rabiaten aber loyalen Kainé unter anderem auch die “gute Seele” der Gruppe in Form von Emil zur Seite.
Komplettiert wird die Gruppe durch Grimoire Weiss, seines Zeichen ein magisches Buch welches durch Nier aus einem jahrelangen Schlaf erweckt wurde beim Versuch seine Schwester zu befreien.
Die Interaktion und die Dynamik welche innerhalb der Gruppe gebildet wird, ist oscarreif.
Hier treffen so viele unterschiedliche und bunte Charaktere auf kleinstem Raum aufeinander. Für den Spieler ist es fantastisch mit anzusehen wie der süffisante Weiss mit der Göre Kainé über die nächsten Schritt diskutiert oder Emil den Streitschlichter gibt.



Im Herzen ist Nier Replicant ein waschechtes Action RPG was die ganzen Vor- und Nachteile des Genres vereint.
Zunächst einmal muss ich die Spielewelt loben. Auch wenn sie nicht die Größte ist und nicht so verwinkelt und umfangreich wie in Automata ist, hat es dennoch seinen Charme sein Heimatdorf in- und auswendig zu kennen und quasi blind durch die Locations zu laufen.
Es wirkt ein wenig wie ein moderneres Zelda OoT was fast genauso aufgebaut ist mit dem Heimatdorf, den verschiedenen Wegen in alle Himmelsrichtungen und den verstreuten Dungeons.
Stichwort Dungeons: Hiervon gibt es nur eine handvoll Exemplare die mal mehr herausfordernd sind, mal weniger. Man darf nur keine AAA Kerker im Stile eines OoT oder Final Fantasy erwarten.
Aufgrund des Remastercharakters und den 60 Frames steuert sich die Hauptfigur geschmeidig, schnell und sehr spaßig durch die unterschiedlichen Gebiete.
Auch das Kämpfen funktioniert genauso fluffig wie in Automata dank des größtenteils übernommenden Kampfsystems.
Es gibt leichte und schwere Angriffe, zwei frei belegbare Magieangriffe und haufenweise Waffen in drei unterschiedlichen Kategorien. Zusätzlich dazu können Waffen verbessert und gebufft werden. RPG Style eben.
Während die Standard Gegner nach einigen Level Ups nur noch Kanonenfutter sind, verlangen Bossgegner taktische Herangehensweisen.
Grafisch kann das Remaster überzeugen, wie vorhin erwähnt sind 60fps eine absolute Bereicherung und die hohe Auflösung tut Ihr übriges dazu. Man darf natürlich nur nicht vergessen, dass es sich in der Urfassung um ein PS3 Spiel handelt was die Aufpolierung in die Kerbe “das habe ich mindestens erwartet” schlägt.
Trotzdem ist es ein toll aussehendes Spiel geworden was sich auch mehr als gut anhört und hier ist die Überleitung zum, neben der Story und den Charakteren, besten Aspekt des Spiels.
Diese Musik….Nier Automata hatte schon tolle Tracks und eine tolle Sprachausgabe.
Aber Nier Replicant toppt diesen meiner Meinung nach nochmals. Es darf auch gerne seinen Hut in den Ring werfen wenn wir über die besten Spielesoundtracks aller Zeiten philosophieren.
Nicht nur ist die Musik zur Stimmung und der Story fantastisch gewählt. Ohrwürmer wechseln sich mit ruhigen Stücken ab, nach und nach summt man die Tracks nach und hört Sie sogar in seiner Musik App weil es einem so gut gefällt.
Einige Beispiele? Bitte schön.
https://www.youtube.com/watch?v=V1kuzWbBgqo
https://www.youtube.com/watch?v=E7yXpTI8-lo&list=PLcQw-5DaZIDEOf6LbkRes_4YRo_xKP9_L&index=5

Zusätzlich ist auch die englische Synchronisation auf einem ähnlichen Level.
Die Sprecher von Grimoire Weiss und Kainé sind absolut fantastisch für die ablehnenden und sarkastischen Kommentare gewählt, ebenso wie fast alle anderen NPCs.



Ich kann die Leute verstehen, die seit 2010 Nier als Ihr Lieblingsspiel ansehen.
Schon der langsame und gemütliche Einstieg in das Spiel schafft Vertrautheit welchen es in vielen anderen aktuellen Spielen fehlt - die Twists und Höhepunkte sind gekonnt und sparsam eingesetzt und gleichen nicht einem aktuellen Spiel welches einem kaum Zeit zum Atmen gibt.
Man kann natürlich die Nebenquests kritisieren die nur RPG Standardkost sind und auch nicht besonders großartige Geschichten liefern.
Und 33 Waffen sind natürlich eine Menge, unterscheiden sich jedoch nicht bis ganz wenig voneinander.
Auch der zweite und dritte Run im Spiel um weitere Enden zu sehen hätte noch etwas gestrafft werden können, neue wichtige Szenen hin oder her.
Alle anderen die mit den Kritikpunkten leben können bekommen vor allem jetzt im Remaster eines der besten RPGs überhaupt.

8.5/10

 :ws-crew-gold-classic:


docower

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Schönes Review wieder.

Funfact: Die Versionsnummer ist die Wurzel von 1.5!
Früher war es gut. Heute ist es besser. Ach wäre doch nur alles wieder gut!


Clorell

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Nier ist für mich eine der absolut größten Spieleerfahrungen aller Zeiten und zählt für mich zu meinen Top 10. Ich habe selten ein Spiel mit so viel Begeisterung gespielt. Und das damals schon auf der PS3. Die neue PS4-Version hat ja auch noch einige Erweiterungen dabei, die es vorher nicht gab. Alleine schon deshalb ist es das Spiel wert, noch einmal ausgiebig gezockt zu werden. Alleine schon der hammergeile Soundtrack. Wenn ich nur an Emil's Sacrifice denke. Wahnsinn.

Optisch hat sich bei dem Spiel auch eine ganze Menge getan, im Vergleich zum PS3-Original, was das Ganze enorm aufwertet. Die haben das schon ganz schön stark bearbeitet.
« Letzte Änderung: Mai 17, 2021, 08:21:40 Nachmittag von Clorell »
Möge die Macht mit Dir sein.